Vernetzung

Vernetzungstreffen „Coole Geschichten“: ein Vorlese(r)-Projekt für Jungs

Das dritte Vernetzungstreffen des ax-o e. V. fand am 14. September 2018 mit dem Schwerpunkt „Coole Geschichten“ statt: Seit 2006 bildet der Verein Jungen im Rahmen des Projekts zu Vorlesern aus; seit 2017 tragen auch junge männliche Geflüchtete Geschichten in Kindergärten vor. Nach einem Blick auf die Vereinsgeschichte und die vergangenen Vernetzungstreffen ging es um die Frage „Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich mit der neuen Ausrichtung des Projekts und wie können wir noch mehr junge männliche Geflüchtete dafür begeistern?“. Um dies zu beantworten, tauschten sich die anwesenden Vertreter verschiedener sozialer Einrichtungen, die Wohngruppen mit jungen Geflüchteten betreuen, intensiv über ihre Erfahrungen aus und sprachen über konkrete Kooperationsmöglichkeiten. Weiterlesen

TOP 1: Vorstellung ax-o e. V.

Um den Teilnehmenden die Funktionsweisen und Angebote von ax-o näherzubringen, fasste ax-o-Projektleiterin Eva Köhl zunächst die Geschichte des Vereins zusammen:

Jahr Meilenstein Kooperationspartner
2002 -2003 Initiative Boys‘ Day in Aachen
2004 Gründung ax-o e. V. Landschaftsverband Rheinland
2005 Projekt „Neue Wege für Jungs“ Bundesmodellprojekt
2006 Projekt „Coole Geschichten“ Aktion Mensch/Robert Bosch Stiftung
2010 Anerkennung als freier Träger
2012 Projekt „Soziale Jungs StädteRegion Aachen“ Sparkassenstiftung
2017 Projekt „Junge männliche Geflüchtete sozial engagiert“ Aktion Mensch
2018 Projekt „Sprechtraining“

Die Aktivitäten des Vereins gehen auf die private Initiative „Aachener Boys‘ Day“ zurück. Diese riefen Schüler und Eltern der Heinrich-Heine-Gesamtschule in Aachen 2002 als Pendant zum bundesweiten „Girls‘ Day“ ins Leben – auch Jungen sollten Einblick Berufsfelder erhalten, die als typisch weiblich gelten. Aus der Initiative gründete sich im Jahr 2004 schließlich der ax-o e. V., der seither die geschlechterspezifische Identitätsbildung von Kindern und Jugendlichen in der StädteRegion Aachen unterstützt. Als anerkannter freier Träger arbeitet ein speziell ausgebildetes Team projektgebunden mit öffentlichen sowie privaten und gemeinnützigen Kooperationspartnern zusammen. Soziale Einrichtungen können den Verein damit beauftragen, diese Projekte mit Jugendgruppen in ihrer Einrichtung durchzuführen.

Aktuell liegt der Fokus auf der Aktion „Junge männliche Geflüchtete sozial engagiert“, die 2017 mit Unterstützung der Aktion Mensch entstand. Sie hat zum Ziel, junge männliche Geflüchtete für soziales Engagement oder einen sozialen Beruf zu begeistern und sie auch auf diesem Weg in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Dazu wurden die bestehenden Projekte „Soziale Jungs StädteRegion Aachen“ sowie „Coole Geschichten“ an die Bedürfnisse junger Flüchtlinge angepasst. Für Jugendliche mit geringen Deutschkenntnissen bietet der Verein seit 2018 zusätzlich ein Sprechtraining an.

Rückblick auf vergangene Vernetzungstreffen

Bereits die vergangenen beiden Vernetzungstreffen beschäftigten sich mit der Frage „Wie können wir junge männliche Geflüchtete für soziale Berufe begeistern?“. Es zeigte sich deutlich, dass die Antwort darauf in der Kommunikation mit den Jugendlichen liegt: Über den Austausch erhält man Wissen über das bestehende Bild von sozialen Berufe sowie über soziale Vorbilder in den Herkunftsländern – erst dann können Vorbehalte gegenüber gemeinnütziger Arbeit ausgeräumt werden. Zudem muss der Bekanntheitsgrad entsprechender sozialer Angebote gefördert werden – dazu muss die kontinuierliche Kooperation mit Bildungseinrichtungen gestärkt sowie der Austausch mit den Jugendlichen intensiviert werden.

TOP 2: Erfahrungsaustausch

Besonderes Interesse zeigten die Teilnehmenden am Sprechtraining, das aus dem Projekt „Coole Geschichten“ heraus entstand. Viele junge Geflüchtete würden sich für ihre schlechten Deutschkenntnisse schämen oder aufgrund dieser keinen Schulabschluss bekommen. Das frustriere die Jungen, berichteten die Teilnehmenden. Dies bestätigte auch ax-o-Mitarbeiter Raphael Fachner: Viele Nicht-Muttersprachler würden Deutsch zwar verstehen, hätten jedoch Schwierigkeiten beim Sprechen. Das Sprechtraining ermutigt und befähigt sie dazu, die Sprachbarriere langfristig zu überwinden.

Sprechtraining

Fachner erläuterte den Ablauf des Sprechtrainings:

  1. Information – Vor Beginn des eigentlichen Trainings lernen Jungen und Betreuer einander in einem ersten Gespräch kennen.
  2. Lautbildung – Zunächst lernen die Jungen spielerisch Laute nachzuahmen.
  3. Lesen – Beim Lesen überwinden die Jungen im nächsten Schritt ihre Hemmschwelle, laut zu sprechen.
  4. Sprache anwenden – Zuletzt festigen die Jugendlichen ihr Sprachbewusstsein, indem sie etwa beim Theaterspielen aktiv mit Text arbeiten.

Der Schwerpunkt in allen vier Schritten des Sprechtrainings liegt auf der Beziehungsarbeit sowie dem interkulturellen Dialog – es ist kein Sprachunterricht.

Motivation

Alle Teilnehmenden waren sich einig, dass der Spaßfaktor bei einem Programm zur Sprechförderung entscheidend für die Teilnahme junger Geflüchteter sei – dieser bleibe bei herkömmlichen Formen der Nachhilfe aus, der Leistungsdruck sei zu hoch. Zudem sei es für die Jugendlichen wichtig, etwa über einen Eintrag auf dem Zeugnis Wertschätzung für ihr freiwilliges Engagement zu erfahren.

Dies zeigte sich auch im Erfahrungsbericht eines Teilnehmers des Projekts „Coole Geschichten“. Er erzählte, dass er für sein soziales Engagement wenig Anerkennung unter Gleichaltrigen erfahren habe. Motiviert habe ihn der Rückhalt im Verein sowie die Wertschätzung der Kinder, denen er vorlas.

Integration

Als Teil des sozialen Angebots von ax-o spielt auch die Integration junger männlicher Geflüchteter eine große Rolle im Projekt „Coole Geschichten“. Die Anwesenden berichteten, dass sich viele Flüchtlinge aktiv in deutschen Vereinen einbringen, andere hingegen ausschließlich Kontakt zu ihren Landsleuten suchen. Insbesondere letztere gelte es für soziale Angebote zu begeistern, um sie in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Die Herausforderungen dabei:

  • Wie bringen wir Jungen aus verschiedenen Institutionen zusammen?
  • Wie können wir entsprechende Gruppen finanzieren?

Antwort darauf könnte eine Zusammenarbeit von ax-o und Jugendämtern sein. Während der Verein die Ämter beim Beantragen von finanziellen Mitteln unterstützt, würden diese als Multiplikatoren und Vermittlungsstelle für die sozialen Angebote dienen. Bislang seien die meisten Jugendämter jedoch nicht über die Projekte von ax-o informiert, merkten einige Teilnehmer an.

Beim dritten Vernetzungstreffen mit dem Schwerpunkt „Coole Geschichten“ wurde also deutlich, dass eine noch engere Zusammenarbeit mit den Jugendämtern in der StädteRegion Aachen notwendig ist, um den Bekanntheitsgrad von Integrationsangeboten weiter zu fördern. Zudem müssen für junge männliche Geflüchtete wie auch für deutsche Jugendliche Anreize geschaffen werden, sich sozial zu engagieren oder Hilfsangebote anzunehmen: Der Spaß und die Gemeinschaft müssen im Mittelpunkt stehen, das freiwillige Engagement muss wertgeschätzt werden.

Programm

Vernetzungstreffen „Soziale Jungs“

„Wie können wir junge männliche Geflüchtete für soziale Berufe begeistern?“ Mit dieser Frage beschäftigten wir uns auch beim zweiten „Soziale Jungs“-Vernetzungstreffen am 14. Februar 2018. Weiterlesen

Vertreter sozialer Einrichtungen kamen auf unsere Einladung in der Aachener Nadelfabrik zusammen, um darüber zu diskutieren, wie man das soziale Engagement von Jungen aus fremden Kulturen fördern kann.

Sich in die Lage junger Flüchtlinge hineinzuversetzen ist außerordentlich schwierig. Das Gedankenspiel „Im Land von Milch und Honig?“ erlaubte den Teilnehmern direkt zu Beginn des Vernetzungstreffens jedoch zumindest eine Ahnung von deren Ängsten und Bedürfnissen. Wir baten unsere Gäste, sich zu fragen: Was würde man nach der Ankunft in Deutschland als Erstes tun? Wie würde man sich organisieren bzw. vernetzen? Welche Hindernisse könnten auftreten und wie würde man den ersten Tag gestalten – wie die erste Woche? Im Gespräch entstand so ein spannender Perspektivwechsel, der die – auch emotionale – Situation junger Geflüchteter greifbar gemacht hat.

Kommunizieren, aufklären, ermutigen

Im Anschluss begrüßten wir Sonja Fatma Bläser, Gründerin des HennaMond e. V. aus Köln. Der Verein bietet Jungen und Mädchen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte einen geschützten Raum, mit dem Ziel, sie in ein, auch bei der Berufswahl, selbstbestimmtes Leben zu begleiten. In ihrem Vortrag gab Frau Bläser Einblick in die kulturellen Unterschiede, mit denen Flüchtlinge in Deutschland zu kämpfen haben und dem starken Einfluss ihrer Angehörigen bei der Meinungsbildung – insbesondere im Hinblick auf das Image sozialer Berufe. In den Herkunftsländern der Flüchtlinge sind diese oft unbekannt oder leiden zum Teil unter einem schlechten Ruf. Um jungen Menschen positive Leitfiguren zu geben, hat HennaMond das Projekt „CHAMPS“ gegründet. Bei diesem besuchen Jugendliche, die sich erfolgreich aus einer fremdbestimmten Lebenssituation gelöst haben, Schulen sowie soziale Einrichtungen und ermutigen dort auch junge männliche Geflüchtete, den Schritt in ein selbstgewähltes Berufsfeld zu wagen.

Insgesamt bot das zweite Vernetzungstreffen viel Raum für Erfahrungsaustausch und weitere Denkanstöße. Es wurde deutlich, dass die Antwort darauf, wie wir junge männliche Geflüchtete für soziale Berufe begeistern können, sowohl in der Kommunikation mit den Jungen als auch mit ihren Angehörigen liegt. Entscheidend ist dabei eine individuelle Beratung unter Berücksichtigung von Herkunft sowie kulturellem und familiärem Hintergrund.

Besonders haben wir uns darüber gefreut, drei junge Geflüchtete aus unserem Projekt „Coole Geschichten“ für unser Treffen gewinnen zu können. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden für den Tag mit vielen neuen Informationen und Impulsen!

Programm

Vernetzungstreffen „Soziale Jungs“

Thema „Junge männliche Geflüchtete sozial engagiert“

Vom 28.08.2017 bis 29.08.2017 veranstaltete ax-o ein erstes bundesweites Vernetzungstreffen. Zentrales Thema war die Integration von geflüchteten Jungen und jungen Männern in das Projekt „Soziale Jungs StädteRegion Aachen“. Weiterlesen

Kontakt zu Jugendlichen und Bildungseinrichtungen verstärken

Vorträge der Bildungsbeauftragten der StädteRegion und der Stadt Aachen, der Mitarbeiter von ax-o sowie einer Lehrbeauftragten der Evangelischen Hochschule Bochum mit dem Schwerpunkt Flucht und Migration lieferten wichtige Impulse für den Erfahrungsaustausch: Unsere Gäste erfuhren Wissenswertes über die rechtliche Situation von Neuzugewanderten, über spezielle Bildungsangebote und darüber, wie diese an junge männliche Geflüchtete herangetragen werden können.

Das Ergebnis des Treffens: Nur ein praktischer Einblick in eine soziale Einrichtung motiviert die Jungen, ehrenamtlich aktiv zu werden und perspektivisch eine berufliche Zukunft im sozialen Sektor zu sehen. Doch junge männliche Geflüchtete von einer Hospitation zu überzeugen ist die größte Herausforderung für Pädagogen, Sozialarbeiter und Betreuer. Dies kann nur über einen fundierten Dialog mit den Jugendlichen geschehen, zu dem die sozialen Akteure befähigt sein müssen.

Denn es mangelt nicht an Angeboten, die ihnen einen Zugang zu sozialen Berufen ermöglichen – vielmehr müssen Vorurteile abgebaut und der Bekanntheitsgrad der Angebote gefördert werden. Für die Zukunft gilt es darum, die kontinuierliche Kooperation mit Bildungseinrichtungen zu stärken und den Dialog mit den Jugendlichen zu intensivieren.

Wir blicken auf zwei erkenntnisreiche Tage zurück und bedanken uns bei allen Teilnehmenden für viele wertvolle Denkanstöße!

Programm

Erzieher-Treff

Am 6. Juli 2017 fand unser vorerst letzter „Erzieher-Treff“ statt. Mit Beginn des neuen Schuljahres möchten wir den Kreis etwas größer werden lassen. Weiterlesen

Das Vernetzungstreffen „Soziale Jungs“, zu dem wir für den fachlichen Austausch auch Gäste aus Hamburg und Frankfurt erwarten, bildet den Auftakt. Außerdem sollen diese Treffen zukünftig unter einem bestimmten Thema stehen zu dem wir dann auch einen fachlichen Impulsvortrag einladen möchten.
Leider ist klar, dass wir keine weiteren Treffen im Café Kränzchen durchführen können, da dies Ende Juli schließt.

Wir bedanken uns bei allen bisherigen Teilnehmern des „Erzieher-Treffs“. Die Gespräche haben Spaß gemacht. Gerne bleiben wir in Kontakt. Über ein Wiedersehen am 28./29.8.2017 würden wir uns freuen. Das Thema des Impulsvortrages: „Noch minderjährig oder schon volljährig, wie verändert das die Lebenssituation von jungen Geflüchteten.“ Kader Doğru, Lehrbeauftragte mit dem Schwerpunkt Flucht und Migration an der Evangelischen Hochschule Bochum.